Feminismus

Stell dir mal vor…

, wir würden uns nicht mehr als Mann und Frau, sondern als Menschen begegnen!
Stell dir vor, die Politik wäre darauf bedacht, das Konstrukt Geschlecht zu relativieren und das Geschlecht würde ebenso wie andere Kategorisierungen nicht mehr als vorgegebene Norm akzeptiert werden. Stell dir vor, wir würden in einer antikapitalistischen und antisexistischen Gesellschaft leben. Die Strukturen, die Männern mehr Macht geben, wären überholt. Und wir würden uns nicht mehr in „Mann und Frau“ einteilen, sondern uns als „Menschen“ begegnen.

Das Gesetz sichert die Gleichberechtigung der Geschlechter und verbietet die Diskriminierung auf Grund dessen. Doch wir leben in gesellschaftlichen Strukturen, die weit älter sind als diese Gesetze. Das Patriarchat, die Vorstellung von der übergeordneten Rolle des Mannes im Haus und Gesellschaft, ist tief in unserer Geschichte und unserem Denken verankert. Menschen werden nach ihrem biologischen Geschlecht sozialisiert und bekommen Normen gelehr,t die vermitteln was „männlich“ und was „weiblich“ ist. Solche Normen werden immerzu wiederholt. Sie führen zu Klischees, die sich am Leben erhalten, selbst wenn bewiesen wird, dass sie haltlos sind. Die Zuschreibung von geschlechtsspezifischen Eigenschaften gehört zur kapitalistischen Verwertungslogik, genau wie das gegeneinander ausspielen anderer Stereotype. So zeigen die Medien, wie eine Frau auszusehen hat und wie stark ein Mann sein muss. Bilder, die junge Menschen oftmals überfordern und sie unter Druck setzen einem Ideal nachzueifern, das fern der Realität ist. Wer sich den Kategorien der Geschlechter nicht unterwirft, wird schnell gesellschaftlich ausgegrenzt und diskriminiert, nicht selten werden solche Menschen sogar Opfer von Gewalttaten. Die Diskriminierung von Frauen hat zwei besonders wichtige Aspekte: Zum einen die ökonomische Benachteiligung, zum anderen den der Objektivierung. Die ökonomische Benachteiligung wird sichtbar, da Frauen zum einen noch immer 23 % weniger als Männer verdienen, selbst wenn sie den gleichen Beruf ausüben. Im Niedriglohnsektor sind 80 % der Beschäftigten weiblich, das heißt, dass Frauen häufiger auf Transferleistungen des Staates angewiesen sind. Dazu kommt, dass hauptsächlich Frauen alleinerziehend sind und so auch Kinder in diese Abwärtsspirale hineingezogen werden. Durch schlecht bezahlte, meist befristete Arbeit und Ausfälle durch Mutterschaft haben Frauen oft das Problem, dass sie nur eine geringe Rente erhalten. Die so genannte Altersarmut ist bei Bürgerinnen deutlich höher als bei männlichen Senioren. Die Reproduktions- und Pflegearbeit, die hauptsächlich von Frauen verrichtet wird, ist nicht als Arbeit anerkannt, die neoliberale Politik versucht vielmehr, mit einer Minimalbezahlung von Heimbetreuung die unzureichende Sozial- und Familienpolitik zu vertuschen und Frauen wieder an den Herd zu fesseln. Das Betreuungsgeld ist ein Rückschritt in eingemottete patriarchalische Zustände.

Wir lehnen jegliche Form der Diskriminierung von Menschen auf Grund ihrer geschlechtlichen Zuordnung oder ihrer Sexualität ab. Wir wollen uns dafür einsetzen, dass in Bewusstsein und Nachdenken über männlich dominierte, diskriminierende Strukturen entsteht, um diese zu überwinden. Ein nächster Schritt sind sozialpolitische Maßnahmen, um die finanzielle Gleichstellung der Frau zu gewährleisten und eine Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt zu verhindern. Quoten sind ein wirksames erstes Mittel zur Förderung von Frauen in gehobenen politischen und wirtschaftlichen Positionen sein, Sie können aber kein dauerhaftes Mittel sein. Vielmehr muss die Politik auf die Befähigung junger Frauen setzen und mehr Aufklärungsarbeit leisten. Junge Frauen dürfen im Beruf nicht mehr wegen ihrer möglichen Schwangerschaft benachteiligt werden. Einfache Fördermaßnahmen und Zusatzprogramme können hier schon von Nutzen sein. Beide Elternteile müssen in gleichem Maße in die Familienpolitik einbezogen werden und bei Erziehungsjahren berücksichtigt werden, um die Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt zu beschränken und festgefahrene willkürliche Geschlechterrolen aufzubrechen.

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